Angekommen

Dezember 10, 2018 Off By BlauerEngel

Das Wochenende war stressig!

Freitag

Bis zum Nachmittag hatten wir zwar alles Notwendige zusammengeräumt, was wir samstags mit den Katzen zusammen als Erstes in die Mühle umziehen wollten, aber die Freude darüber hielt nicht so furchtbar lange an. Bei uns Beiden lief das Gedanken-Karussel in der Freitagnacht auf Hochtouren – da halfen auch keine Baldrianpillen jeglicher Farbe.

Samstag

Am Morgen waren wir dann auch entsprechend groggy, was aber auch nicht lange anhielt. An so viel war zu denken: Mietwagen abholen (Hoffentlich passt alles rein, was wir als “notwendig” erachten); Zahnpasta, Haarbürste, Fressnäpfe, Bettzeug und Nachthemd nicht vergessen (alles, was wir “nur” bis Freitagabend gebraucht hatten, war schon verpackt); Kühlschrank ausräumen (was nicht gekühlt werden musste und drei Tage lang den Hunger stillen soll, war auch schon verpackt); zwei Kratzbäume demontieren (wir rechneten damit, die Katzen wieder, zumindest nachts), in zwei getrennten Zimmern unterbringen zu müssen); uns einig werden, was am besten wie ins Auto geladen wird (Klaus hat dann pragmatisch entschieden, dass ich die Katzen beruhigen muss, während er das Auto vollräumt); die Katzen in ihre Transportboxen stecken (mit dem Tierarzt hatten wir besprochen, dass für unser “Mimöschen”, Schnuffi, ein Beruhigungsmittel die eineinhalbstündige Fahrt etwas erträglicher machen würde, das Mittel sollte er eine halbe Stunde vor Fahrtantritt bekommen – und hat natürlich gleich eine unbekannte Menge des genau dosierten Mittels wieder ausgespuckt); Transportboxen als Letztes ins Auto packen und sichern (Schnuffi hatte zumindest doch so viel von dem Mittel geschluckt, dass er sich in die Box verfrachten ließ und leicht beduselt war).

Dann endlich: Haus abschließen und auf nach Lauterbach!

Die erste dreiviertel Stunde verlief, abgesehen vom (noch zu ertragenden, da relativ leisen) Katzenjammer noch ganz ereignislos. Aber dann hat wohl die Wirkung des Beruhigungsmittels nachgelassen. Schnuffi geriet total in Panik, fing an zu schreien, sich in der Transportbox hin und her zu werfen und mit den Augen zu rollen! Von seiner Panik ließen sich die beiden anderen dann natürlich anstecken, und wir hatten “High Life” auf der Autobahn…

“Gleich kommt ein Parkplatz. Sollen wir anhalten?” “Um Himmels Willen, bloß nicht! Fahr weiter, ich versuche, den Kater zu beruhigen!” Was dann auch, mit Hilfe leise unter das Handtuch in die Transportbox gemurmelter Beruhigungsfloskeln, Augenzwinkern und leichter Brummlaute irgendwann gelang. Aber jedes Mal, wenn ich aufhörte, fing das herzerweichende Jammern wieder an. Also das Handtuch über der Transportbox wieder leicht lüften, in die Box zwinkern, murmeln und brummen, vierzig Minuten lang…

Als wir ankamen, tröpfelte es nur leicht, also schnell erst Mal die Katzen in das große Schlafzimmer bringen, damit sie sich ein kleines bisschen in ihren Transportboxen beruhigen können. Dann die Bettwäsche auspacken und das eigene Bett einrichten! Danach hatten sich auch die Katzen so weit beruhigt, dass wir uns entschieden, sie erst einmal nacheinander, aber trotzdem alle zusammen im Schlafzimmer, aus den Transportboxen zu lassen. Klappte prima. Nach Katzenart musste jede/r erst einmal für sich den ganzen Raum gründlichst viele Male inspizieren, bevor die erste Mahlzeit im neuen Zuhause angesagt war.

In der Zwischenzeit verteilte Klaus den restlichen Krempel aus dem Auto schon mal möglichst sinnvoll in der Mühle, damit am Sonntag das Auspacken möglichst schnell vonstatten gehen würde. Und wir haben Zeit, kurz bei Traudel und Norbert rein zu schauen.

Am Abend dürfen die Katzen dann zum ersten Mal alleine durch die Mühle laufen und sich umschauen. Und man merkt ihnen an, dass sie erst einmal nach einem Weg zurück ins bekannte Zuhause suchen… Wenn ihr wüsstet, dass ihr in ein paar Wochen raus dürft, dann würde euch die Umstellung sicher nicht so schwer fallen!

Die Nacht verbringen wir zu Fünft im Schlafzimmer, bei geschlossener Tür. Niemand soll im Dunkeln alleine umherirren und “verloren” gehen. Gerade Pablo, unser Opa, hat bei seiner Erkundung der Mühle immer wieder unsere Nähe gesucht, so, als wäre ihm das alles alleine auf sich gestellt zu viel.

Sonntag

Auch diese Nacht war nicht sonderlich erholsam. Die Katzen hatten nicht wirklich Ruhe gefunden und sind auf ihrer Suche nach etwas Bekanntem immer wieder auf’s Bett und über uns drüber gehüpft. Kam eine doch mal zur Ruhe, war die nächste wieder hellwach und unterwegs.

So waren wir wieder früh auf und nach einem kleinen Frühstück bereit, mit dem Auspacken der ersten Kisten zu beginnen. Besonders viel hatten wir ja nun wirklich noch nicht dabei, aber das Sortieren der letzten in der Mühle verbliebenen Haushaltsgegenstände, das Auswaschen der Küche und die Überlegungen, ob wir denn tatsächlich unseren kompletten Hausstand irgendwo unterbringen würden, haben dann doch den ganzen Tag in Anspruch genommen. Und Klaus wollte nicht allzu spät mit dem Mietwagen zurückfahren, der musste ja auch noch aufgetankt und zurück gebracht werden.

Also haben wir uns gegen halb sechs voneinander verabschiedet, natürlich nicht ohne das Versprechen, vorsichtig und nicht zu schnell zu fahren, außerdem mussten ja auch noch Vorbereitungen für das Eintreffen der Umzugsfirma am nächsten Morgen getroffen werden. Aber Klaus war noch keine fünf Minuten aus der Tür heraus, noch schnell bei Traudel und Norbert, um sich zu verabschieden, als aus heiterem Himmel unsere beiden Kater wieder in ihr altes Verhalten zurückfielen – Schnuffi erschrickt sich aus einem nicht erkennbaren Grund, sieht Pablo, fängt an zu fauchen und zu schreien und rennt, so schnell er nur kann. Pablo natürlich, nur einen Sekundenbruchteil verdattert, was da los ist, rennt hinterher, was Schnuffi noch viel mehr Angst macht. Und beide zischten ab, die Treppe hoch, und schnurstracks ins Schlafzimmer, wo ich sie erst einmal nicht mehr fand. Nur Schnuffi hörte ich unter dem Sofa vor sich hin knurren.

“Na toll,” dachte ich, ebenfalls halb in Panik, “die Idylle hat glatte vierundzwanzig Stunden angehalten. Hoffentlich ist Klaus noch nicht weg…” Alleine gab’s erst einmal keine Möglichkeit, die Beiden ohne größere Verletzungen zu trennen…

“Wo zum Teufel ist bloß mein Handy?” Schnell nach der Nummer von Klaus gesucht und erst einmal die neue Festnetznummer erwischt – verdammt! Beim zweiten Mal das gleiche Spiel – “Jetzt beruhig’ dich erst mal!” Dreimal tief atmen, dann habe ich die richtige Nummer gefunden. Klaus klang erst mal noch entspannt, als er dran ging – wir hatten mit so etwas ja nicht gerechnet… “Bist du noch drüben? Wir haben wieder ein Katzen-Problem! Bitte komm schnell, bevor es schlimmer wird!”

Pablo hatte ich inzwischen hinten an der Wand unter dem Bett geortet, natürlich genau in der Mitte… Glücklicherweise behielt Klaus einen kühlen Kopf. “Erst einmal Iska einfangen.” Die Kleine hatte noch nicht Partei für eine Seite ergriffen und ließ sich relativ einfach auf den Arm nehmen und nach nebenan tragen. “Und jetzt das Bett auseinander nehmen.” Also hob Klaus Bettwäsche, Matratze und Sprungrahmen an, während ich versuchte, beruhigend zu klingen und Schnuffi immer noch unter dem Sofa knurrte.

Völlig verschüchtert ließ sich auch Pablo hochnehmen und zu Iska tragen. Schnell noch ein Katzenklo, eine Wasserschüccel und zwei Fressnäpfe hinterher, einen Kratzbaum rübertragen, einige Decken verteilen, ein paar Streicheleinheiten zur Beruhigung, und dann erst einmal die Tür zu! Schnuffi saß immer noch unter dem Sofa ubd knurrte, also ließen wir auch ihn in Ruhe, um sich zu beruhigen.

Der zweite Abschied verlief dann etwas kürzer, eigentlich wäre Klaus ja schon längst auf der Autobahn gewesen.

Montag

Wieder eine extrem kurze Nacht. Noch völlig verängstigt, hatte Schnuffi nicht die Ruhe, ein paar Stunden hintereinander zu schlafen. Immer wieder musste er unter die Bettdecke, dann wieder raus, um gekrault zu werden, und wirklich gewirkt hat auch mein Baldrian nicht. Also wieder früh raus, Katzen versorgen, Katzenwäsche, und dann weiter in der Küche Schränke auswaschen und einräumen.

Oh, Mist, ich muss aufhören, der Möbelwagen kommt…