Botanischer Exkurs – Zitronenbäumchen

Januar 29, 2019 Off By BlauerEngel

Das Wichtigste vorab: Ich bin keine Expertin, was Zimmerpflanzen angeht! Während meiner Ausbildung durfte ich zwar ein bisschen etwas über Zimmerpflanzen lernen – wir haben einige wenige verkauft, zum Beispiel Bougainvilleen – aber das war eher eine Randerscheinung in der Baumschule. Also, hier gilt: Lernen aus Beobachtung.

Das Erste, was mir jedes Mal auffällt, wenn ich die Tür zum Überwinterungsraum unseres Zitronenbäumchens öffne, ist der wunderbar frische und süße Duft, den die Zitronenblüten verströmen. Der ganze Raum duftet von den ungefähr fünfzig Blüten, die sich entwickelt haben und die sich nun nach und nach öffnen. Wie gut, dass es gerade jetzt blüht, denn ich glaube nicht, dass der Duft so intensiv zu riechen wäre, wenn es draußen stehen würde. Zu viel Natur drum herum…

Interessant ist, die Blüten in ihrer Entwicklung zu beobachten. Denn seit ungefähr zwei Wochen befinden sich Blüten in jedem Entwicklungsstadium an unserem Bäumchen. Und jetzt der Reihe nach:

Unten links: Knospe

Unten links im Bild ist eine der nun nicht mehr allzu vielen ungeöffneten Knospen zu sehen. Was man leider nicht sieht (ich sollte doch mal mit der ordentlichen Spiegelreflexkamera fotografieren, statt mit dem Handy…), ist die wachsartige Oberfläche der Blütenblätter. Sie sind im Vergleich zu anderen Blütenblättern relativ strukturstabil und dick, vermutlich auch dank besagter Wachsschicht.

Es dauert etwa zwei Tage, bis die Zitronenblüte sich vom ersten sichtbaren Spalt in der Blütenknospe komplett geöffnet hat.

Komplett geöffnete Blüte

Die Staubgefäße sind knallgelb und nun schön zu sehen. Und in ihrer Mitte “versteckt” sich der leicht glänzende, runde, hellgelbe Stempel. In diesem Stadium beginnt die Blüte, ihren wunderbaren Duft zu verströmen. Logisch, sie will ja Insekten anlocken, die die reifenden Pollen zur Narbe der nächsten Blüte transportieren sollen! Übrigens sollen Zitrusgewächse meist selbstbestäubend sein, aber das hält mich nicht davon ab, jeden zweiten oder dritten Tag selbst “Bienchen” zu spielen und mit dem Finger an allen geöffneten Blüten vorbei zu streichen. Vielleicht erhöht das ja den Ertrag…

Innerhalb von zwei bis drei Tagen wächst der Stempel dann deutlich aus den Staubgefäßen heraus, was ganz lustig aussieht. Gleichzeitig beginnen die weißen Blütenblätter, sich immer weiter nach außen zu rollen.

In der Mitte eine mehrere Tage alte Blüte mit deutlich sichtbarem Stempel, oben rechts eine (hoffentlich) bestäubte Blüte, die Staubgefäße und Blütenblätter lösen sich schon

Etwa einen Tag später bemerkt man dann einen Unterschied beim Verblühen: Vermutlich bestäubte Blüten verlieren “nur” die Staubgefäße und Blütenblätter, nicht bestäubte Blüten fallen meistens komplett ab.

Nicht bestäubte Blüte

Jetzt hoffen wir, dass sich aus den teleskopantennenartigen, zurückgebliebenen Stempeln mit ihren Fruchtknoten im Sommer dann ordentliche gelbe Zitronen entwickeln. Aktuell sieht das Ganze noch nicht unbedingt nach Zitronen aus…

Oben rechts: Übrig gebliebener Stempel mit Fruchtknoten und Hüllblättern