Ein Kater wird flügge – fast

Januar 26, 2019 Off By BlauerEngel

Oh weh, wie sehr hat meine Hand vorhin gezittert, als ich das Foto gemacht habe:

Schnuffi, der kleine weiße, verwaschene Fleck in der Bildmitte, durfte heute zum ersten Mal nach draußen…

Natürlich war von vorne herein klar, dass unsere Katzen, wenn wir unseren Traum vom alten Haus in Alleinlage wahr machen würden, auch nach draußen dürfen. Die Differenz zwischen gutem Vorsatz und Durchführung kann soooo groß sein! Aber heute hat Schnuffi, unser vierjähriger Raufbold und Schisser, uns die Entscheidung aus der Hand genommen.

Nachdem wir es in den letzten sechs Wochen mit Geduld wieder geschafft hatten, die beiden Kater, Schnuffi und den alten dementen Pablo, wieder ohne Aufsicht mehrere Stunden zusammen zu lassen, begannen heute die ersten Zeichen von Unsicherheit, Nicht-ausgelastet-sein und Aggression wieder bei Schnuffi, die immer zu den Unverträglichkeiten zwischen den Beiden geführt hatten. Und da wir sowieso vorhatten, zumindest Schnuffi in den nächsten zwei Wochen zum ersten Mal raus zu lassen, hielten wir den Zeitpunkt aus seiner Sicht für gekommen.

Da der Impfschutz von Iska noch nicht ausreichend ist und wir den alten Pablo nur an der Leine rauslassen möchten, mussten die Beiden erst mal ins Schlafzimmer, um eine möglichst ruhige Atmosphäre für Schnuffis ersten Spaziergang zu schaffen.

Nach ein bisschen Locken von Klaus und mir schlich er dann auch erst mal ganz vorsichtig auf die Terrasse, immer an der Wand und an der Trockenmauer lang. Jedes Geräusch, jedes Wort von uns erschreckte ihn – er ist halt doch ein total verunsicherter Kater, auch wenn er den beiden anderen gegenüber immer mal wieder den Macho raushängen lässt…

Also haben wir uns zurückgezogen, Wackelfoto inklusive, und sind uns im Wohnzimmer dann in die Arme gefallen. “Ich bin stolz auf dich! Dass du als Katzenmutti jetzt so schnell entschieden hast, dass er raus darf!” “Ja, klar… Und guck mal, wie ich zittere… Ich glaube, den werden wir heute Nacht erst mal nicht mehr sehen.”

Denkste! Fünf Minuten später, als ich noch ein Foto vom Mühlbach mit Eis machen wollte, sah ich ihn dann immer noch zwischen Haus und Mühlbach rumschnuppern, unseren Schisser. “Hallo, Schnuffi! Na, wie ist die Freiheit?” Aus seiner Sicht scheinbar erst mal nicht so toll. Mit dickem Schwanz (ich hatte ihn wohl total erschreckt) und leichter Panik in den Augen sauste er erst mal an mir vorbei wieder auf’s Haus zu, um dann um die Ecke auf die andere Hausseite zu verschwinden.

“Oh je, Schatz, das scheint ihm erst mal gar nicht so zu gefallen. Sollen wir versuchen, ob wir ihn wieder rein kriegen?” “Ja, machen wir. Ich schau mal vorsichtig, wo er hin ist.” Klaus ging langsam und mit leisem, beruhigendem Sprechen zur Hausecke, hinter der Schnuffi verschwunden war. “Er läuft gerade wieder zur Terrasse. Mach mal die Terrassentür auf.”

Ich hatte die Tür noch nicht richtig geöffnet, als ein weißer Blitz mit Flaschenbürstenschwanz hereinschoss. “Schatzi, alles gut! Du bist doch schon wieder drin! Ist doch gar nix Schlimmes passiert!” Gleich ein paar Leckerlis serviert und die Welt war wieder in Ordnung. Irgendwie hatte ich mehr Enthusiasmus erwartet. Aber ich bin saufroh, dass er schon wieder da ist…

Vermutlich liegt er gerade mit Pablo oben im Schlafzimmer in der Hängematte, ist froh, dass er so einen treuen Kumpel hat und erzählt ihm davon, wie furchteinflößend es dort draußen ist…

Und das Foto vom Mühlbach möchte ich euch auch nicht vorenthalten:

Mühlbach im Tauwetter