Ein Morgen in Lauterbach…

Januar 25, 2019 Off By BlauerEngel

Vor zehn Tagen bin ich beim “Lauterbach-zu-Fuß-erkunden” zufällig (?) beim Osteopathen vorbei gelaufen. Natürlich bin ich sofort rein gegangen, ich möchte ja schon lange was Alternatives ausprobieren, das gegen meine Gelenk- und Muskelschmerzen helfen soll. Außerdem wurde mir der Osteopath schon von Norbert und Traudl empfohlen.

Heute Morgen hat mich Klaus dann vor der Praxis zu meinem ersten Termin abgesetzt. Jaaaa, ich hätte auch den Bus nehmen können, aber das Vögel- und Minka-Füttern hatte zu lange gedauert… Und ich muss sagen, tolle Inneneinrichtung! Alles ziemlich neu mit ganz viel Holz, asiatischen Elementen, der Yogaraum liegt im Erdgeschoss, alles ist hell und großzügig und das Wartezimmer heißt nicht “Wartezimmer”, sondern “Ankommen”. Sehr sympathisch!

Das ist der Osteopath auch, und trotz all seiner Aus-, Fort- und Weiterbildungen, die er mir im Laufe unseres Gesprächs aufgezählt hat, sieht er noch sehr jung aus. Aber das will nix heißen – ist bei mir ja auch so… 😉 Auf jeden Fall lässt er sich viel Zeit für die Anamnese und hat eine sehr angenehme, humorvolle Art. Die Schlagmühle kennt er, als Lauterbacher, auch, und ich habe so ein kleines bisschen die Vermutung, dass er sie selbst gerne gekauft hätte, wenn er vom Verkauf gewusst hätte. “Das ist toll da, mitten in der Natur!”

Auch meine Fragen zur Ausbildung zum Osteopathen, worüber ich schon längere Zeit nachdenke, hat er mir in der kurzen Zeit, die zum Ende der “Sitzung” noch blieb, ausführlich und ehrlich beantwortet. Und mir davon abgeraten – “Sie haben keinerlei Erfahrung in dieser Richtung. Selbst nach der Ausbildung würden Ihnen grundlegendes Wissen und wichtige Kenntnisse fehlen. Warum schauen Sie nicht mal in Richtung Pflanzenheilkunde? Mit Ihrer Gärtnerinnenausbildung und Ihrem Interesse am Thema würde sich das doch eher anbieten.” Mal schauen… War auf jeden Fall eine sehr angenehme, vielversprechende und positive Stunde.

Auf dem Weg nach draußen, als ich Klaus anrufen wollte, damit er mich abholt (Jaha, ich weiß!), habe ich dann gemerkt, dass mein Handy keinen Saft mehr hat. Hmpf. Jede Menge Alternativen ploppten in meinem Kopf auf: Telefonzelle (gibt’s seit Jahren kaum noch, keine Ahnung, wo in Lauterbach eine steht); Laufen (wäre die zeitintensivste Möglichkeit, erst mal nach hinten geschoben und weiterüberlegt); per Anhalter (wäre mir peinlich, gleich wieder vergessen); Norbert und Traudl fragen, ob sie zufällig zur Mühle fahren wollen (die Beiden wohnen nicht weit weg, zwischen Osteopath und Busbahnhof, waren dann aber nicht da); also Busbahnhof, wenigstens mal schauen, wann der nächste Bus fährt (‘Wenn ich länger als eine halbe Stunde stehen muss, kann ich immer noch laufen’). Und tatsächlich, nur eine Viertelstunde Wartezeit – schaffe ich locker, bin ich von Niederhöchstadt gewöhnt!

Als ich so am Busbahnhof stand, kam eine junge Frau mit Kopftuch und Handy in der Hand auf mich zu. Ob ich wüsste, welcher Bus zum Krankenhaus fahren würde? “Tut mir Leid, dafür bin ich noch nicht lange genug in der Gegend. Und im Handy schauen geht grad nicht – Akku leer.” Also haben wir zusammen mit ihrem Handy in arabischer Schrift versucht, einen Bus zu finden – ganz, ganz schwierig, wir haben’s auch nicht geschafft. Die Liniennummer, die angezeigt wurde, gibt’s in Lauterbach, glaube ich, gar nicht. Also erst einmal die gleichen Alternativen, die ich mir kurz vorher überlegt hatte, einmal durchdenken. Und in ihrem Fall blieb dann das Laufen übrig. “Ich soll sowieso mehr laufen, hat der Arzt gesagt.” Und mit dem Navi sollte es auch machbar sein, nachdem wir gemeinsam die Adresse des Krankenhauses ausfindig gemacht hatten. Ich hoffe, sie hat es gefunden! Schon auf ihrem Weg, hat sie sich dann nochmal umgedreht, ist zu mir zurück gekommen und sagte: “Vielen Dank nochmal. Das war wirklich sehr nett!” Fand ich auch!

Kurz darauf ist dann auch schon der Bus gekommen, die Linie 65 nach Schotten, die die Haltestelle anfährt, die am nächsten zur Mühle liegt. Und irgendwie kam ich dann mit dem Fahrer ins Gespräch. Er lebt seit vierzig Jahren in Lauterbach, hat hier schon zwei Häuser saniert, kennt Norbert noch aus der Zeit, als dieser seinen Schlüsseldienst in Lauterbach hatte, kennt natürlich auch den Nachfolger, und, wen wundert’s noch, kennt natürlich auch die Schlagmühle. “Hinter dem Waldschlösschen, rechts runter, an dem Bach? Ja, das ist so schön da. So viele Wiesen und direkt am Wald. Ein bisschen wie im Paradies!” Ja, das denke ich auch! “Bleiben Sie ruhig sitzen. Ich lass’ Sie gleich da an der Zufahrt raus, dann müssen Sie nicht über die Wiesen laufen.” Wow!

Als ich dann vor der Haustüre stand, machte mir Klaus schon auf. “Das musst du mir gleich alles erzählen! So, wie du grinst, ist was ganz Tolles passiert!”

Ja, ein Morgen in Lauterbach!