Ein Quadratmeter Geschichte

Februar 3, 2019 Off By BlauerEngel

Heute haben wir uns zum Tapetenentfernen aufgeteilt: Klaus übernahm die “Ich-fummel-die-letzten-Reste-ab”-Wände im Schlafzimmer und ich durfte im Wohnzimmer anfangen. Und hatte richtig Glück dabei, denn die erste Lage Tapete ließ sich trocken abziehen, bis auf einige Stellen, an denen eine seidenpapierähnliche Untertapete kleben blieb. So war ich mit drei Seiten relativ schnell fertig, zwei davon mit Tapete und eine komplett “nakisch”, weil dort ein Wohnzimmerschrank die komplette Wand eingenommen hatte – doppelt Glück! 🙂

Und unter der leicht und schnell zu entfernenden ersten Tapetenschicht fand sich auch nur noch EINE weitere Tapete. Ich konnte mein Glück kaum fassen!

Dafür gab es dann an der vierten Wand, mal wieder eine der beliebten Außenwände, einige Überraschungen. Links vom Fenster fing es noch ganz gut an: Oberste Schicht abziehen, zweite Tapete drunter, darunter Gips. “Prima”, dachte ich, “da bin ich ja flott fertig mit der gammeligen Außenwand!”

Pustekuchen! Beim Tapeteabziehen in der Fensterlaibung wurde dann klar, dass das Ganze mitnichten so einfach werden würde: Der gefundene Gips war weniger als einen halben Millimeter dick und auf vier weitere Tapetenschichten aufgebracht. Bei dem inzwischen eruierten Baujahr des neuen Hauses von 1969 macht das eine ungefähre mittlere Tapetenlebensdauer von zehn Jahren. Gut, dass wir in Niederhöchstadt ausgezogen sind, sonst wären wir in diesem Jahr dran gewesen mit neu Tapezieren!

Natürlich bin ich neugierig geworden, wie sich mit den Jahren denn so der Tapetenmustergeschmack geändert hat!

Was wir bisher immer als erste Lage gefunden haben, war eine in zarten Pastelltönen gehaltene längsgestreifte Tapete mit sich abwechselnden Blockstreifen und Blütenranken, eigentlich typisch für die frühen Sechziger. An die nächste Schicht, irgendwann in den Siebzigern, kann ich mich noch aus meiner Kindheit erinnern. “Flammende Blüten” in mehr oder weniger kräftigen Farben waren damals modern.

Spätestens in den Achtzigern wurden dann die ersten Strukturtapeten an die Wände gebracht, in dezenten Farben, nach den wilden Siebziger-Farbauswüchsen. So dezent, dass sich Extra-Fotografieren kaum lohnt. Strukturiert ging es auch in den Neunzigern weiter, aber die Muster wurden wieder farbiger, deutlicher und vor allem größer.

Dann folgte wieder eine ruhigere, farblosere Zeit, anscheinend auch ohne besondere Musterung, bis erst vor wenigen Jahren dann die zartrosafarbene, leicht zu entfernende oberste Lage aufgeklebt wurde.

Hat was, so eine Reise durch fünf Jahrzehnte!