Familie im Vogelsberg kämpft um’s Überleben – BlamS war dabei!

Januar 20, 2019 Off By BlauerEngel

Ein Ehepaar (Er, 54 und Sie, 48) mit drei kleinen Katzen versucht seit zwei Tagen mitten im wilden Vogelsberg in Osthessen ohne Heizung und Warmwasser zu überleben. Blog am Sonntag hat mit den Beiden gesprochen.

BlamS: Frau N., wie haben Sie bemerkt, dass Ihnen Heizung und Warmwasser fehlen?

Frau N.: Seit zwei Tagen ist es hier im Vogelsberg deutlich kälter geworden. Heute Morgen hat das alte Thermometer draußen -17° angezeigt. Und am Freitag Vormittag, als wir es bemerkt haben, war es auch nur knapp über Null Grad. Als wir in der Küche saßen, habe ich zu meinem Mann gesagt: “Schatz, ich glaube, mit der Heizung stimmt was nicht. Ich bekomme kalte Füße.” Da hat mein Mann an den Heizkörper in der Küche gefasst, und dann an den im Büro, und hat gesagt: “Du, die Heizkörper sind ganz kalt. Dreh mal das warme Wasser auf.” Das habe ich dann gemacht, aber nach zwei Minuten war das Wasser immer noch kalt. Und da war uns klar, dass wir kalt sitzen.

BlamS: Und was haben Sie dann gemacht?

Herr H.: Na, wir haben den Installateur angerufen, aber der kann erst am Montag eine neue Heizung einbauen. Die wird nicht schneller geliefert.

BlamS: Das heißt also, dass Sie mindestens drei Tage um’s nackte Überleben kämpfen müssen?

Frau N.: Naja, ganz so schlimm ist es jetzt nicht. Der Strom ist ja nicht ausgefallen. Wir können also mit einem Ölradiator, einem Infrarot-Wärmestrahler und drei Heizlüftern die wichtigsten Räume so weit aufheizen, dass wir mit Skiunterwäsche, zwei Paar Wollsocken und den dicken Schafwollpullovern nicht erfrieren. Und die Katzen dürfen unter der Bettdecke schlafen, wenn sie wollen.

BlamS: Aber das bringt Ihnen immer noch kein warmes Wasser. Wie leben Sie denn damit, nur kaltes Wasser zur Verfügung zu haben?

Herr H.: Warmes Wasser wird deutlich überbewertet. Ich würde mich zwar nicht in eine Badewanne mit kaltem Wasser legen und auch Duschen ist für die drei Tage mal gestrichen. Aber Waschlappen und Seife funktionieren auch mit kaltem Wasser. Und wenn ich mich unbedingt mit warmem Wasser waschen will, kann ich mir mit dem Wasserkocher heißes Wasser machen. In der Spüle mit kaltem Wasser gemischt, bekomme ich dann schon Wohlfühltemperatur hin. Ich habe nur meiner Frau gesagt, dass sie sich nicht gerade dann in der Küche waschen soll, wenn der Briefträger kommt. Der würde ganz schön gucken, wenn sie nackt im Küchenfenster steht. Aber meine Frau ist eh abgehärtet, die braucht noch nicht mal zum Haarewaschen warmes Wasser. Hat sie heute Morgen ausprobiert.

BlamS: Frau N., Sie haben also heute Morgen tatsächlich Ihre Haare mit dem kalten Wasser aus dem Hahn gewaschen?

Frau N.: Ja, klar! Mein Mann hat schon Recht, wir sind total verweichlicht. Wenn man weiß, wie es geht, kann man sich auch mit kaltem Wasser sauber halten. Nur die Zähne sind etwas empfindlich, wenn es um die Wassertemperatur beim Zähneputzen geht.

BlamS: Wie wäscht man sich denn die Haare mit kaltem Wasser? Sie scheinen es ja jetzt zu wissen.

Frau N.: Auf gar keinen Fall den Kopf direkt unter’s kalte Wasser halten. Das wird dem Hirn schnell zu kalt. Aber wenn man das Wasser erst in die eine, dann in die andere Hand laufen lässt und es mit den Händen vorsichtig über den Kopf führt, ist das Kälterelebnis nicht so dramatisch. Und bis die Hände taub werden, sind auch die Haare nass. Dann die Haare mit wenig Shampoo waschen und dabei die Kopfhaut ordentlich massieren. Das wärmt Hände und Kopfhaut. Und dann mit der Hand das Shampoo wieder ausspülen. Falls man zwischendurch Stiche auf der Kopfhaut spürt, das Wasser für zwei Minuten abstellen und die Kopfhaut wieder massieren. Danach weiter spülen. Fertig!

BlamS: Und wie kommen Ihre Katzen mit der Situation zurecht?

Herr H.: Denen ist es relativ egal, ob die Zimmer über eine Gastherme oder elektrisch erwärmt werden. Hauptsache, es wird nicht zu kalt. Da kommen sie dann auch tatsächlich nachts mal unter die Bettdecke. Aber die Drei scheinen einen Narren an dem Infrarot-Wärmestrahler gefressen zu haben. Sie sitzen abwechselnd immer wieder vor dem Ding und putzen sich. Scheint wie eine Höhensonne zu wirken. Und warmes Wasser brauchen die sowieso nicht. Die Zunge zum Waschen ist automatisch immer warm.

BlamS: Liebe Leserinnen und Leser, es scheint, als hätte sich die Familie mit der Situation noch relativ gut arrangiert. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten, wenn es weitere dramatische Entwicklungen geben sollte!