Einen Tag nach Klaus‘ Geburtstag richtet sich Holger, unser Zimmermann, seine Baustelle ein. Und Klaus freut sich darauf, als Hiwi möglichst viel von ihm zu lernen.
Was wir vor Beginn der Arbeiten mit unserem Zimmermeister Clemens besprochen hatten, wird nun umgesetzt:
- Die „Betonschwelle“, die an Stelle der maroden alten Eichenschwelle in den 1990er Jahren eingebaut worden war, bleibt bestehen, damit wir mit der neuen Holzschwelle mehr Höhe über dem gewachsenen Boden erreichen. Das dient dem Schutz des Holzes vor Regen- und Spritzwasser.
- Deshalb wird auch links von der ursprünglichen Haustür das Betonniveau angepasst.
- Die neue Holzschwelle besteht aus Douglasienholz, aus Kostengründen. Und weil wir ja kein Denkmal sanieren, kann uns da auch keiner reinreden…
- Wir verzichten auf Verzapfungen und Holznägel, Holger arbeitet mit Schrauben zum Verbinden der Holzteile, auch das aus Kosten- und besonders auch aus Zeitgründen. Und weil wir ja kein Denkmal sanieren…
Und woran wir uns schon fast gewöhnt haben: Holger entdeckt gleich am Morgen die nächste Baustelle… Da die Mühle an der Nordseite etwa ein bis zwei Meter auf gewachsenem Fels steht, ist der erste Fußbodenbalken, direkt innerhalb der Betonschwelle, genauso zerfressen und von Insekten durchlöchert wie es die Schwelle gewesen sein muss. Kein schöner Anblick!


Die muss natürlich raus und wir müssen uns, bevor wir den Fußboden erneuern, Gedanken darüber machen, wie wir dem Problem der teilweise fehlenden Unterkellerung begegnen werden – aber das ist keine Aufgabe für die nächsten Monate, sondern eher für die nächsten Jahre der Sanierung.
Damit Holger ordentlich arbeiten kann, hat Klaus auch schon jegliche Unterstützung der Ständer und Streben entfernt – keine Steine, Latten und Keile stützen mehr unsere Giebelwand – und mit dem Staubsauger alles fein gemacht. Nur, damit Holger mit der Motorsäge wieder ordentlich Dreck machen und das morsche Holz entfernen kann… 😉


Beim Gesundschneiden des alten Holzes wird auch wieder deutlich sichtbar, dass unsere alte Mühle schon etwas Besonderes ist, denn die Eckständer stützen sich nicht auf die Schwelle, sondern stehen auf den Basaltsteinen, aus denen die Kellerwände gemauert wurde.

Vielleicht diente diese besondere Konstruktion dazu, die Kräfte, die durch das Schlagwerk ins Fachwerk eingeleitet wurden, besser abzuleiten? Immerhin haben wir im Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt alte Unterlagen gefunden, die beweisen, dass vor dem jetzigen Mühlengebäude auf den Kellermauern bereits eine Schlagmühle stand. Die wurde 1765 abgetragen, weil sie komplett marode war. Und ein Teil des jetzigen Fachwerks, wir wissen nicht genau, wieviel, wurde für den Bau „unserer“ Schlagmühle wiederverwendet – Re-use anno 1765!
Trotz dieser ursprünglichen, ungewöhnlichen Konstruktion muss der Eckständer an der nordwestlichen Ecke zurückgeschnitten werden, er ist einfach nicht mehr tragfähig genug. Nach Ende der Arbeiten am Giebelfachwerk wird er, wie in der Gegend üblich, auf der Schwelle stehen. Die im Foto sichtbare „Zunge“ darf bleiben. Das Holz dort ist noch gut genug, damit die neue Schwelle daran angeschraubt werden kann.

Aber die neue Schwelle muss jetzt erst einmal, nachdem Klaus wieder einmal über den Beton gekehrt und jedes Krümelchen abgesaugt hat, mit Muskelkraft an ihre vorgesehene Position gehoben werden. Auf die korrekte Länge hat Holger sie schon zugeschnitten.

Die korrekte waagerechte Ausrichtung übernehmen Holzkeile, bevor Klaus mit Stopfmörtel den Spalt zwischen Beton- und Holzschwelle füllen wird.

Und dann muss natürlich auch links von der alten Haustüröffnung das Betonniveau auf die Höhe der rechten Seite angepasst werden, bevor auch dort die neue Schwelle zu liegen kommt. Was sich dort an Beton schon befand, wurde vermutlich Ende der 1950er, spätestens in den 1960er Jahren bereits angemischt.
An dieser Ecke war vom Ständer nicht mehr genug gesundes Holz vorhanden, das stehen bleiben konnte. Nachdem er den Eckständer deutlich eingekürzt hatte, hat deshalb Holger dort mit Fichtenholz einen Anschlag geschaffen, gegen den die neue Schwelle gesichert werden soll.

Glücklicherweise ist dieses Stück Schwelle deutlich kürzer als sein Gegenpart, damit auch leichter und einfacher zu handhaben. Auch hier dienen erst einmal Keile zur Positionssicherung.
Und dann beginnt die „Zauberei“, die Arbeit des Holzkünstlers!
Holger hat mit der Motorsäge und der Handkreissäge am Eckständer an der Nordostecke der Mühle die äußeren, morschen Teile auf der Giebel- und der Traufseite bis ins gesunde Holz entfernt. Dann schneidet er aus einem Eichenbalken, den er mitgebracht hatte, ebenso große Bretter, die er mit dem Ständerrest und dem Anschlag verschraubt. Die Schrauben sind versenkt, so dass mit passenden Eichenzapfen die Bohrlöcher verschlossen werden können und später kaum noch zu erkennen sind.

Mit der Motorsäge „schnitzt“ Holger dann die beiden Bretter so zurecht, dass Regen- und Spritzwasser durch die natürlichen senkrechten Risse im Holz abfließen kann. Würde Wasser in den Ritzen und Spalten stehen bleiben, wäre das der ideale Nährboden für holzzersetzende Organismen – das wollen wir auf keinen Fall! Außerdem bildet er die leicht gerundeten Außenkonturen des Eckständers nach und verpasst dem Holz eine leicht kokelige Patina, die im Laufe der nächsten Jahre mit dazu beiträgt, den Farbunterschied zwischen altem und neuem Holz zu kaschieren.


Dann müssen die beiden Querriegel unter den Wohnzimmerfenstern, die nicht mehr zu retten waren, erneuert werden. Und auch die Außenseiten der Ständer müssen auf die gleiche Weise wie die Eckständer ausgebessert werden. Auch das ist für den Profi-Handwerker kein Problem.

Am Ende des dritten Tags haben wir im Erdgeschoss der nördlichen Giebelseite zwei neue Schwellen, restauriertes, ursprüngliches Fachwerk, neue alte Querriegel und etliche ausgebesserte Ständer, Streben und Riegel.



Weiterlesen