Nachruf

Februar 10, 2019 Off By BlauerEngel

“Die Nierenwerte haben sich in den letzten vier Wochen stark verschlechtert. Eigentlich müsste sie direkt an die Dialyse. Aber die Leberwerte sind jetzt auch schlecht, die waren vorher noch unauffällig. Außerdem habe ich gestern Herzgeräusche gehört, die nichts Gutes bedeuten. Und sie hat eine leichte Zahnfleischentzündung. Die ist aber nicht dafür verantwortlich, dass sie nicht mehr frisst. Das liegt eher daran, dass die Nieren nicht mehr funktionieren und die Abbauprodukte im Körper bleiben. Die verursachen dann eine dauernde, starke Übelkeit, die sie nicht mehr fressen lässt. Da können dann auch die Infusionen und die Aufbauspritzen nicht mehr helfen. Ich fürchte, wir können sie von da nicht mehr zurückholen. Es wäre Zeit, sie gehen zu lassen.”

Verzweifelt haben Klaus und ich am Freitag Morgen die Prognose des Tierarztes für Minka gehört.

Liebe kleine Minka, zur Blutentnahme haben wir dich geschleppt, zu Infusionen und Aufbauspritzen. Mit Astronautennahrung haben wir versucht, nochmal ein kleines bisschen mehr Leben in dich hinein zu füttern, aber es hat alles nichts mehr geholfen. Dein kleiner, ausgemergelter Körper hatte wohl schon beschlossen, dass seine Zeit gekommen sei.

Aber wie froh und freundlich warst du auch dann noch, wenn wir morgens, mittags und abends mit einem Napf voll Futter zu dir kamen, das du in den letzten Tagen nicht einmal mehr angesehen hast. Du bist uns auf immer wackeligeren Beinen entgegen gelaufen, um uns zu begrüßen, hast uns angemaunzt, froh um jede Streicheleinheit, die wir für dich hatten.

Schon als wir dich zum ersten Mal sahen, hast du dich mit deinem freundlichen und geduldigen Wesen in unser Herz geschlichen. Dein smaragdgrüner, altersweiser Blick, deine weißen Schnurrhaare und der kleine weiße Fleck auf deiner Brust, die Knochen, die überall aus deinem pechschwarzen Fell herausstachen, waren für uns wie ein Sinnbild für engelsgleiche Geduld und den Willen, immer das Beste aus den Widrigkeiten des Lebens zu machen.

Deine Wunden heilten immer von selbst, nach deinen Knochenbrüchen hatte nie ein Tierarzt geschaut, und trotz all deiner arthritischen Gelenke und deiner schief zusammengeheilten Knochen hast du dir immer einen Platz auf unserem Schoß gesucht. Menschenbezogen und zutraulich warst du, eine Seele von einer Katze, die auch beim Tierarzt stoisch jede Behandlung über sich ergehen ließ.

Aber am Freitag haben wir entschieden, dass du nicht länger leiden sollst. Du bist zuhause, neben Klaus, eingeschlafen, für immer, und dein leises Schnurren und dein grüner Blick werden uns unendlich fehlen. Acht Wochen warst du ein Teil unserer Familie und wir sind froh, dass wir dich kennen lernen durften.

Geh in Frieden, kleine Minka. Ich hoffe, wir haben in deinem Sinn entschieden.