Neujahrsspaziergang

Januar 1, 2019 Off By BlauerEngel

Als wir hierher umgezogen sind, ist auch ein Piccolo mit umgezogen, mit dem Klaus schon seit vier Jahren an Silvester mit mir anstoßen will. Der Piccolo stand auch gestern wieder im Kühlschrank, um korrekte Anstoß-Temperatur zu erreichen – dort steht er immer noch. Bloß dass gestern, im Gegensatz zu den letzten drei Silvestern, nicht nur ich bereits um halb elf im Bett lag, sondern auch Klaus. Landluft macht halt doch müde!

War aber nicht schlimm, Raketen und Böller hatten wir eh keine, und soweit wir gesehen haben, ist auch keiner zum Anstoßen bis zur Schlagmühle vorgedrungen. Die ersten Raketen-Überreste lagen kurz vor Frischborn…

So waren wir heute Morgen auch schon gegen acht Uhr wach und sind nach einem gemütlichen Frühstück gegen elf Uhr aufgebrochen, um die Aussichtsplattform in Richtung Lauterbach zu suchen. Der Wald hinter der Schlagmühle ist zwar kein Naturschutzgebiet, wird aber durch den Friedwald, der ein Stückchen weiter nördlich angelegt ist, so weit wie möglich natürlich belassen. Gefallene Hainbuchen, Eichen und Kiefern dürfen im Wald verrotten und dienen als Spechthöhlen, Insektenhotels und Mulchbildner. Nur an den Wegen entlang werden umsturzgefährdete Bäume gekennzeichnet und gefällt.

Ein ganzes Stück entlang des Vulkanradweges, der von Altenstadt-Höchst im Süden bis nach Schlitz im Norden läuft, führt ein weiterer Mühlgraben sein Wasser erst von der Lauter weg, bevor er kurz hinter den Häusern “Außenliegend” wieder mit der Lauter zusammenfließt. Unsere Mühle war früher ganz sicher nicht die einzige, die ihr Wasser von der Lauter bezogen hat!

Ein paar Hundert Meter weiter haben wir dann auch die Aussichtsplattform gefunden, wobei die Aussicht nach Lauterbach heute doch etwas beschränkt war…

Immerhin konnten wir auch bei schlechtem Wetter die Überreste der Raketen, Bonbons und Bierflaschen, die nach Mitternacht liegen geblieben waren, zusammensammeln und im vorhandenen Mülleimer entsorgen.

Von der Aussichtsplattform ist es dann auch nicht sehr weit, über einen gekennzeichneten, aber kaum noch erkennbaren Waldpfad, bis zu den ersten Bäumen des Friedwalds. Eine ganze Reihe nach heimischen Vögeln benannter Pfade führt kreuz und quer durch den bisher angelegten Teil des Friedwalds, und nach den vielen durch Blumen, Kränze, Steine und Wurzeln gekennzeichneten Bäumen zu urteilen, sind auch schon ettliche Grabstätten belegt.

Im vorderen Teil des Waldes ist vereinzelt noch Motorenlärm zu hören, aber der hintere Teil ist sehr ruhig und man hört nur noch das Rauschen des Windes in den Wipfeln der älteren Bäume. Aufgefallen ist uns, dass es auf einer Lichtung mitten im Friedwald auch noch vergleichsweise junge Bäume gibt, Birken, Kiefern und auch ein paar Kirschen, die ebenfalls als Ruhestätten genutzt werden. Nicht nur die älteren Bäume haben dieses Privileg.

Zurück auf dem Hauptweg, der auch als Zufahrt zum Friedwald dient, läuft man nach wenigen Hundert Metern schon wieder Richtung Frischborn aus dem Wald heraus und findet sich direkt oberhalb der Firma Mailith, unserem nächsten Nachbarn in Richtung Westen, wieder. Noch ein kurzes Stück an wildschweinzerwühlten Feldern und der alten Eiche mit der Sitzbank vorbei, und wir konnten schon die obere Einfahrt zur Schlagmühle sehen. Ein wunderbarer, gut einstündiger Spaziergang durch einen tollen, (fast) wilden Wald – so fängt das Jahr gut an!