Nostalgie pur

Dezember 18, 2018 Off By BlauerEngel

Wir hatten uns ein bisschen gewundert, als wir auf unserer ersten Fahrt zur Besichtigung der Mühle in Lauterbach am “Lauterbacher Lichtspielhaus” vorbeikamen. Aber warum soll eine Kreisstadt mit über 14.000 Einwohner kein Kino haben? Und uns war auch gleich klar: Wenn wir nach Lauterbach umziehen, dann werden wir sicher auch öfter mal ins Kino gehen!

Gestern Abend war es dann so weit. Die Vorschau zum Film “WUFF” hatte ich vor ein paar Wochen gesehen. Ein bisschen Komödie, ein bisschen Weltschmerz, ein gutes Stück Romantik und ganz viel Hund – genau das richtige nach einem stressigen Umzug – entspannen, lachen und nicht nachdenken müssen!

“Meinst du, die haben auch Popcorn?” “Klar! Oder warst du schon mal in einem Kino ohne Popcorn?” Und tatsächlich hat uns der Duft nach warmen Popcorn direkt nach dem Öffnen der Eingangstür begrüßt. Kann eigentlich schon nichts mehr schief gehen! Sieben Euro kostet der Eintritt für Erwachsene, freie Platzwahl inbegriffen, die große Tüte Popcorn gibt’s für zwei Euro. Mal schauen, was das Kino sonst noch so zu bieten hat!

Die Eingänge zum Kinosaal befinden sich links und rechts an der Seite, Türe auf, und willkommen in der Kindheit!

Eine meiner ersten Erinnerungen ist die an das Kino in Losheim. Ich war höchstens vier oder fünf, das Kino gehörte einem Großonkel und einer Großtante, und meine Eltern haben dort am Wochenende mitgearbeitet – mein Vater an den Vorführmaschinen, damals noch mit riesigen Filmrollen, die ausgetauscht werden mussten, meine Mutter an der Kasse. “Zwei Logenkarten? Fünf Mark. Sperrsitz gibt es etwas billiger.” Ich weiß noch, dass ich stolz war wie Oskar, wenn ich an der Eingangstür stehen und die Karten abreißen durfte! Und als ich in der Schule Rechnen gelernt hatte, durfte ich auch mal mit an die Kasse. Das hat Kino für mich für’s Leben zu etwas Besonderem gemacht!

Und in diesen alten Kinosaal mit seinen samtbezogenen Sesseln in der Loge, den es in dieser Form schon lange nicht mehr gibt, bin ich gestern Abend wieder eingetreten.

Nostalgie pur – cremefarbene Schalensessel mit dickem blauem Polster, geraffte rote Stoffbahnen an den Wänden, unterbrochen von ampelartigen Wandleuchten, die Leinwand eingerahmt von einer schwungvollen (vermutlich) Holzkonstruktion und verdeckt von einem dicken Vorhang. Und dann der Gong! So wie früher, drei aufeinanderfolgende tiefe Gongschläge, die uns beide schnurstracks in unsere Kindheit katapultiert haben!

Und spätestens da war klar: Das Lauterbacher Lichtspielhaus wird uns sicher öfter sehen! Auch, weil nicht nur die Publikumsmagneten laufen, sondern auch das, was während meiner Zeit in Basel in den “Kultkinos” lief: Programmkino, Lesungen, Kurzfilme, Modeschauen, und einiges mehr.