Wie, bitte, geht’s nach Lauterbach?

Januar 8, 2019 Off By BlauerEngel

Für den gemeinen Autofahrer liegt Lauterbach von der Schlagmühle aus sozusagen gleich um die Ecke. Gute fünf Minuten Fahrt, rote Ampel an der Kreuzung Richtung Fulda eingerechnet, und man ist in der Innenstadt.

Für jemanden wie mich, der Autofahren meidet wie der Teufel das Weihwasser, liegt die Sache etwas anders… Der Bus, der durch Frischborn nach Lauterbach fährt, fährt zum einen nur sieben Mal am Tag, alle zwei Stunden, zum anderen ist die nächste Haltestelle zehn Minuten Fußmarsch entfernt. An der übernächsten Haltestelle, “Abzweig Frischborn”, halten deutlich mehr Busse, bis dahin sind es aber auch schon fünfzehn Minuten zu laufen.

Wuste ich alles vorher, klar, deswegen ist das auch kein Problem. Aber wenn ich sowieso fünfzehn Minuten laufen muss, um einigermaßen unabhängig Bus fahren zu können, kann ich auch gleich durch den Wald bis Lauterbach laufen, oder? Das Navi zeigt bis zu meinem ersten Haltepunkt, dem neuen Hausarzt, 31 Minuten an. Und die Strecke kenne ich auch schon, die sind wir an Neujahr teilweise schon gelaufen. Es ist zwar Regen angesagt, aber wie heißt es so schön: “Es gibt kein schlechtes Wetter…” Den Rest kennt ihr.

Also erst mal wetterfest anziehen und dann, nach einem prüfenden Blick auf Wolkendecke und Startzeit, den Rad- und Gehweg hinter dem Stall erklommen! Entlang des Waldes sehe ich, wo in den letzten Tagen die Bäume mit Schräglage gefällt wurden. Viele der Stämme und Äste scheinen abtransportiert worden zu sein, aber ebenso viele wurden auch im Wald liegen gelassen. Eine Entwicklung, die ich als naturnah und positiv empfinde. Jedem, der sich jetzt fragt, warum ich das so sehe, sei das Buch “Das geheime Leben der Bäume” von Peter Wohlleben empfohlen…

Auf dem Vulkan-Radweg angekommen fällt mir gleich wieder die Schlehenhecke auf, die so voll dunkelblauer Schlehen hängt, wie ich es sonstwo nur sehr selten gesehen habe. Wie ein blauer Schleier wirkt es, wenn man im Vorbeigehen die Hecke nur aus den Augenwinkeln bemerkt. Und wie leuchtende Glühbirnen hängen tiefrote Hagebutten dazwischen.

Auf diesen Anblick freue ich mich jedes Mal, wenn ich den Vulkan-Radweg lang laufe

In den weiter hinten stehenden Hecken sitzen jede Menge Meisen, die mich ordentlich ausschimpfen, als ich für ein Foto etwas näher komme. Und ich denke mir, dass bis spätestens zum März die blaue Pracht in ihren Mägen verschwunden sein wird. 🙂

Ein paar Hundert Meter weiter verlasse ich den Vulkan-Radweg, um über einen schmalen Hohlweg in Richtung Lauter und weiter nach Blitzenrod zu laufen. Kurz vor der Brücke über die Lauter blitzt es dann hinter einem Bauzaun gelb aus dem Wald. Es sieht aus, als hätte dort jemand vor nicht allzu langer Zeit damit angefangen, ein altes Herrenhaus oder eine alte Villa zu sanieren. Ein Teil des Daches ist neu eingedeckt, aber viele der Fenster sind mit OSB-Platten vernagelt.

Auch was für Handwerker und Gärtner

Damit ist dann der schöne Teil des Weges zu Ende, die letzten zehn Minuten laufe ich an der Straße lang. Glücklicherweise ist das Verkehrsaufkommen in keinster Weise mit dem in Eschborn oder gar Frankfurt zu vergleichen! Ein kurzer Blick auf den Zeitmesser bei Ankunft beim Arzt zeigt mir: Genau die 31 Minuten, die mir das Navi prophezeit hat. Und mit dem Fahrrad, wenn ich es unfallfrei durch den Hohlweg schaffe, geht es im Sommer noch viel schneller – wer braucht schon ein Auto?

Okay, okay, der Rückweg hat ein Stück länger gedauert. Da geht es dann stellenweise ordentlich den Berg hoch und beladen mit den Einkäufen aus dem türkischen Supermarkt komme ich schon ziemlich ins Schwitzen. Aber immer noch besser als Auto fahren!

Jaaa, ich weiß, und für größere Einkäufe brauchen wir natürlich schon den Panda…