Garten-Archäologie, Teil 2

April 3, 2020 Off By k84376

Fortsetzung

Gleich am nächsten Nachmittag war ich wieder mit all meinem Werkzeug am Kartoffellaubbeet-to-be. Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube, ich hatte in der Nacht vorher von dunklen Grüften und Grabräubern geträumt… Und wo ich doch jetzt ahnte, dass ich einer kleinen Sensation auf der Spur war, lief das Graben wie von selbst: Mit der kleinen Schippe am Rand des Steins entlang stochern und die Erde lösen, eingegrabene Ziegelreste und Steine aus dem Boden hebeln und in einen Eimer werfen, Topinamburknollen aus der Erde friemeln und dazuwerfen, die lockere, ziegel-, stein- und topinamburfreie Erde in einen anderen Eimer schippen, den ersten Eimer auf einem Haufen abseits der Wege ausleeren, den zweiten Eimer oberhalb des Ausgrabungsorts auf das Kartoffellaubbeet leeren und wieder von vorne…

Und Stück für Stück traten tatsächlich die Umrisse eines großen Steins zutage, von dem mir immer noch nicht klar war, wie weit er nach unten in den Boden reichen würde. Immer mal wieder war auch meine Assistentin, Iska, zur Stelle, um die Fortschritte zu begutachten und mir eine Katzen-Kraulpause zu verschaffen.

Immer breiter und tiefer wurde der Graben rund um mein Fundstück, immer höher der Haufen frischer Erde oberhalb des Ausgrabungsorts…

Und dann war es so weit: Ich hatte die Umrisse des Steins freigelegt!

Eigentlich war ich ein bisschen enttäuscht. Wenn es eine Grababdeckung wäre, dann wäre das Grab darunter doch relativ winzig… Vielleicht lag doch ein kleiner Schatz darunter? Auf jeden Fall war ich dann doch eher froh, dass der Stein von den Abmaßen her, wenn er denn nicht noch zwei Meter tief in den Boden reichen würde, noch zu handhaben sein würde. Klaus, den ich natürlich auch informiert hatte und der wesentlich weniger aufgeregt über den Fund war als ich, hatte schon versprochen, mir bei der Bergung meines Steins zu helfen. Und das sollte per Überschlag den Hang hinunter passieren.

Dafür hatte ich dann aber erst noch eine Menge Erde hangabwärts vom Stein wegzuschaufeln. Über den Grat, der sich dort auftürmte, hätten wir das Ding sonst heben müssen.

Eine halbe Stunde Arbeit später war es dann soweit. An einer Seite des Steins hatte ich tatsächlich die Unterkante freigegraben, nur wenige Zentimeter unterhalb der bereits freigelegten Seitenfläche. Die Austrittsrampe zum „Herausrollen“ des Brockens war auch fertig und Klaus hatte sein Werkzeug, mit dem eigentlich Baumstämme, keine Steine, gewendet werden, schon bereitgelegt.

Um das Herausheben des Steins aus dem Loch etwas zu vereinfachen, hat Klaus ihn erst einmal auf der Talseite angehoben – kein Problem mit dem Baumwender – und wir haben noch zwei Zaunpfähle drunter geschoben. Natürlich waren wir ganz vorsichtig, um den Schatz unter dem Stein nicht zu zerstören! Naja, ich war ganz vorsichtig, Klaus hat vermutlich innerlich nur den Kopf geschüttelt.

Dann nochmal den Baumwender auf der Bergseite angesetzt, die Füße beiseite gebracht und „ruuummmms“ lag der Brocken auf den Zaunpfählen…

… und der Blick unter den Stein war frei!

Und, was haben wir gefunden…?

Nein! Keine Topinamburknollen!

Aber leider auch keinen Schatz…

Bloß noch mehr kaputte Ziegel… Und eine alte Metalltube mit Plastik-Schraubdeckel… Keine Ahnung, was da wohl mal drin gewesen ist…

Jetzt kann ich dann mein Kartoffellaubbeet fertig machen – falls nicht noch ein dicker Stein irgendwo weiter unten vergraben ist…